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 Cosmoploitan rider, 2018



Ausstellung Plastic World
"Cosmopolitan Rider“


„Ins Bällebad rutschen, steig ein ins Auto Kleine, mitkommen ins Abenteuerland, das Raumschiff startet, get into this space“.
 
Über eine blaue Form, die sich über das gesamte Bild erstreckt und die Flugbahn eines Raumschiffes nachahmt, gleitet man in Bernhard Hellers Bild „Cosmopolitan Rider“ in eine Welt, einen Kosmos, der keine Ecken kennt. Eine Welt aus unzähligen Schichten aufgebaut, in sich brodelnd, blubbernd, sich ausdehnend über die Leinwand hinaus - unaufhaltsam wie ein Virus. Eine Welt aus Organischem und "China-Schrott", Pilzen, Prilblumen, Strand und erotischem Spielzeug, das alles irgendwie aufgeblasen sein will. Diese quietschige, schillernde Farbwelt eines Kinderzimmers verliert sich versöhnend im warmen Abendlicht eines Herbsttages.
 
Aus dieser scheinbar friedlich und homogen lebenden Welt erhebt sich ein Störenfried, Körper und Hände selbst generiert durch die Prilblume, eine Erscheinung wie ein Zombie, ein Memento Mori, der rastlos auf seinem verlassenen Schiff als seelenloses Skelett durch die Weltmeere segelt, um nach seinem Seelenfrieden zu suchen, blinkend warnend wie ein Leuchtturm vor dem Sturm. Nicht ohne ihn, erst mit ihm bekommt das Heile eine Definition und das Unheil eine Form. Offen bleibt, ob er Herrscher ist in dieser pulsierenden, schwellenden, unaufhaltsam rasenden Welt oder die Arme Hilfe rufend ein letztes Mal in die Höhe streckt, um im nächsten Moment von der selbigen verschluckt zu werden, hinabgespült zu werden in die Abgründe, seine Seele erlischt und er doch noch Frieden findet.
 
Diese Welt könnte man auch als eine Welt aus Schlaglichtern ansehen, die die Lücke zur Wirklichkeit und zu einem selbst schließt, erinnern lässt und im Hier und Jetzt eine völlig neue Bedeutung findet.



Bardolino, 2014


In dem Bild „Bardolino“ dominieren die Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Das Bild vermittelt, unterstützt durch das Rosa in den Bäumen, insgesamt einen märchenhaften Eindruck. Die durch die Kontraste erzeugte Räumlichkeit und die Offenheit der Flächen geben dem Betrachter die Möglichkeit, im Bild herumzuwandern, in das Geschehen einzugreifen und die Handlung mitzugestalten. Ausgangspunkt und Einstieg in das Bild bildet im linken Drittel eine ärmlich wirkende Figur, nur bekleidet mit einer Art Morgenrock und Socken an den Füßen. Das Gesicht ist abgewandt, unpersonalisiert, wodurch der Betrachter an seine Stelle tritt und ins Bild gezogen wird.
Auf der Diagonalen des Bildes liegen die Bausteine der Erzählung. Eine weiße Hand, eine rote Falsche, bis hin zu einem geschlachtetem Vogel auf einem Baumstumpf. Dies stellt einige Fragen an den Betrachter, und nun ist es an ihm das Rätsel zu lösen oder daraus eine Geschichte zu formen.


                                                                                                                                                        BERNHARD HELLER, 2014


Dachau, 2013

Das Motiv des Schneemanns ist in der Malerei unbearbeitet, kommt schlichtweg nicht vor. Das macht die Motivwahl Bernhard Hellers einzigartig. Ein Schneemann ist jedem Betrachter im Verständnis zugänglich, gleichzeitig ist er aber auch Metapher. Metapher für Utopie, Scheitern und reine Geistigkeit, die sich aber auf der Leinwand nicht vollzieht. Da der gemalte Schnee nicht schmelzen kann, wird die Vergänglichkeit der Figur wieder aufgehoben. Dadurch adaptiert Bernhard Heller ein romantisches Bildgefüge und ersetzt den Menschen durch einen Schneemann. Der Schneemann steht in diesem Bezug für Verlust und Sehnsucht, die er aber gleichzeitig auch wieder zurückholen will.

Diese
Bildsystem gilt aber nicht für gesetzt, sondern richtet die Frage an uns, was uns allgemein an die Welt bindet, welche Rolle wir in ihr spielen, inwieweit dieses Bildsystem überhaupt noch Gültigkeit besitzt und in welchen Kulturkreisen es funktionieren könnte.

                                                                                                                                                    
EGBERT KNOBLOCH, 2013
                                                                 Lektor und freier Journalist, bisherige Tätigkeiten u.a. im Zentrum Paul Klee Bern.

                                                                                                                                                                                                                                                               





Punktumkunst, 2012

Bernhard Heller forciert eine freie gestische Malerei, in der die Grenzen von Figuration und Abstraktion verwischen. Fasziniert von der Möglichkeit, mit Malerei Bewegung zu erzeugen, entwickelter er seine Bildideen meist unmittelbar aus einem Farbraum heraus.

Die Bilder des Künstlers werden durch übermalen, zerkratzen und verwischen innerhalb des Malprozesses gleichzeitig zerstört. Gleich einer Gratwanderung erscheinen seine Bilder, einer inneren Reflektion zwischen dem Entstehen und Vergehen allen Seins.

Quellen seiner Kunst sind medial vermittelte Bilder oder Erinnerungen an selbst Erlebtes. In der Überzeugung, durch Malerei Bilder aus seiner inneren Ideenwelt herauszulösen, kommt es zu einer Mischung aus Vorgefundenem und intuitivem Entstehungsprozess. Die figurativen Bilder des Künstlers erscheinen dabei fragmentarisch. Man könnte sie einer Werbung zuordnen oder vielleicht einem Film. Symbole unseres Kulturkreises die unser kollektives Gedächtnis abrufen kann, ohne dabei wertend zu wirken, lassen den Betrachter alle Möglichkeiten der Wahrnehmung offen.

Hauptthema seiner Arbeit ist die Landschaft, darin befindliche Gegenstände und der Mensch. In seinen neuesten Werken beschäftigt sich Bernhard Heller mit der Umwelt und lässt den Menschen fasst in ihr verschwinden. Durch die Reduzierung der menschlichen Figur, tritt für ihn das menschliche Wesen noch stärker hervor und will den Betrachter auffordern sich mit seinem Blick darauf eine eigene Inhaltsebene zu erdenken oder zu erträumen.

                                                                                                                                                            
                                                                                                                                                          VICTORIA MARTINI, 2012
                                                                                                                                              Kuratorin Punktumkunst München.







Yellow car, 2012

“Das Thema meiner Arbeiten ist Natur, Landschaft und der Mensch darin. Die Motivideen dazu entstammen der allgemein menschlichen Wahrnehmungserfahrung der visuellen Welt.

Die neuen Arbeiten zeigen nun Landschaften mit Autos, Rädern, verlassenen Hütten, Dinge die auf Menschen hinweisen. Für mich ist das Interessante bei diesen Bildsysthemen, dass der Mensch, obwohl er selbst nicht abgebildet ist, beim Betrachter mitgedacht wird und gerade durch diese Auslassung intensiver in Erscheinung tritt.

So auch bei "Yellow car". Ein auffallend gelbes Taxi- Auto, ein unscheinbares weißes Auto am Rand, ein angedeuteter Sonnenschirm am Horizont, eine Straßenbeleuchtung, alles eingebettet in eine Landschaft mit saftig grünen Palmen, die an Californien erinnert. Es scheint die letzte Möglichkeit zu sein, um zu parken, bevor es zum Strand geht. Die Scene vermittelt den Eindruck von Freizeit. Der Ort ist wenig touristisch und wirkt wie ein Geheimtipp zum Relaxen. Allerdings bleibt uns der Blick hinter den Vorhang verwehrt, und so ist es an uns, sich den Blick auf das Meer und die Personen, die sich dort aufhalten, vorzustellen. Dabei entstehen Fragen, die über das Bild hinausweisen und nicht eindeutig zu beantworten sind: Wieso kamen die Autos überhaupt an den Strand? Sind die Fahrgäste noch dort, was machen sie gerade? Sind die weissen Hügel im Bildvordergrund aus Sand oder gar aus gefrorenem Eis? Ist das der typisch blaue Himmel des Surfer-Paradieses oder braut sich da ein Sturmgewitter zusammen?

Diese Ambivalenezen kommen durch die Abwesenheit der menschlichen Figur auf, die wir als Betrachter im Bildgeschehen immer gerne suchen, um Zusammenhänge herzustellen zu können. Ist es nun ein Idyll, auf das wir schauen, oder ist da etwas im Verborgenen passiert? Durch die Mittel der Malerei – durch Motivwahl und Farbgebung – will ich die Illusion unterschiedlicher Realitätsebenen konstruieren. Die wirklichen Vorgänge meiner Bilder entstehen erst in den Köpfen des Betrachters – zwischen Phantasie, Neugierde und Wirklichkeit.“


“The theme of my work is nature, landscape and the human set within. The ideas for the subjects derive from the general human perception of visual space.

The new works now show landscapes with cars, bicycles, abandoned huts, things indicating human existence. Interesting for me in this imaging system is the interpretation of human presence created by the observing mind, despite and in effect emphasised through the absence of humans.

As can be seen in “Yellow Car“. An attention drawing yellow cab, an unimposing white car on the side, an indicated sun shade on the horizon, streetlights, all embedded in a landscape with rich green palm trees, which remind of California. It seems to be the last opportunity to park a car before reaching the beach. The scene mediates a sense of leisure. The place is little touristic and may be an insiders’ tip for relaxing. Yet, we are being refused the view behind the curtains, and so it is up to us to imagine the sight of the sea and the people there. In result to this questions arise which go beyond the image and which do not allow a clear answer: Why did the cars come to the beach in first place? Are the passengers still there, what are they doing now? Are the white hills in the front of the painting made of sand or even frozen ice? Is this the typically blue sky of the surfers’ paradise or is there a thunder storm coming up?

This ambivalence occurs through the absence of the human figure which is often sought for in the image in order to create associations. Is this an idyllic scene we are watching or has something happened out of sight? Through the medium of painting - through frame and colour - I want to construct the illusion of different levels of reality. The real processes of my paintings are created in the minds of the beholder - within imagination, curiosity and reality.“
                                            
                                                                                                                                                        BERNHARD HELLER, 2012